Buchweizenhonig – ein Außenseiter mit Charakter
Buchweizenhonig ist der Außenseiter unter den Honigen – dunkel, kräftig, mit einem intensiven Aroma. Streng im Geruch, meistens cremig und mit tiefen, fast erdigen Geschmacksnoten ausgestattet. Eben das Pendant zum Roquefort, dem berühmten französischen Blauschimmelkäse: Wer ihn zum ersten Mal probiert, ist entweder sofort begeistert oder braucht einen zweiten Anlauf. Neutrale Meinungen gibt es kaum.
Dieses Jahr haben wir eine kleine Menge von diesem wunderbaren Buchweizenhonig geerntet. Zu kaufen ist er nur exklusiv in unserem Shop – und das aus gutem Grund: Er ist selten.
Buchweizen als Trachtpflanze
Buchweizen – botanisch Fagopyrum esculentum – gehört nicht zu den Gräsern, sondern zu den Knöterichgewächsen. Man zählt ihn zu den Pseudogetreiden: Seine Frucht wird wie Getreide verwendet, also als Beilage oder für Backwaren, enthält aber kein Gluten. In osteuropäischen Ländern ist Buchweizen seit Jahrhunderten ein Grundnahrungsmittel. In Deutschland feiert er gerade ein Comeback – und als Imker können wir das nur begrüßen.
Buchweizen blüht von Juli bis September, je nach Aussaattermin, und ist für Bienen eine hervorragende Trachtpflanze. Die weißen bis zartrosa Blüten öffnen sich täglich neu und produzieren über den ganzen Tag Nektar – besonders am Morgen ist der Nektarfluss stark. Für Imker ist Buchweizen interessant, weil er in einer Sommerperiode blüht, in der viele andere Trachtpflanzen bereits verblüht sind. Eine echte Lückenfüllerin. Das Problem im Harz: Die Anbauflächen sind klein und verteilt. Buchweizen wird hier nicht im großen Stil angebaut. Deshalb ist unser Buchweizenhonig eine Rarität – nicht künstlich verknappt, sondern wirklich selten.
Warum Buchweizenhonig so dunkel ist
Die dunkle Farbe des Buchweizenhonigs ist kein Zufall und auch kein Makel – sie ist ein direktes Ergebnis der Inhaltsstoffe. Buchweizennektar enthält deutlich mehr Mineralstoffe und Spurenelemente als der Nektar anderer Pflanzen wie Akazie oder Raps. Kalium, Magnesium, Eisen, Phosphor – all das trägt zur tiefen Färbung bei. Dieselbe Logik gilt auch für Waldhonig: Je mehr Mineralien, desto dunkler der Honig. Buchweizenhonig zählt zu den mineralstoffreichsten Honigen überhaupt.
Inhaltsstoffe: Antioxidantien und Polyphenole
Buchweizenhonig sticht auch biochemisch hervor. Mehrere Studien haben gezeigt, dass er einen besonders hohen Gehalt an Antioxidantien und Polyphenolen aufweist – höher als die meisten hellen Honigsorten. Rutin, ein Flavonoid, das auch in der Buchweizenpflanze selbst vorkommt, findet sich im Honig wieder. Dazu kommen freie Aminosäuren und ein verhältnismäßig hoher Eisengehalt im Vergleich zu anderen Honigen. Das macht ihn interessant für alle, die Honig nicht nur als Süßungsmittel, sondern als Lebensmittel mit echtem Nährstoffprofil schätzen.
Geschmack und Küchentipps
Wer Buchweizenhonig zum ersten Mal kostet, sollte sich Zeit nehmen. Der erste Eindruck ist oft eine kräftige, leicht malzige Süße, darunter eine Art würzige Tiefe, fast wie Melasse, mit einem langen, leicht herben Nachklang. Nichts für Leute, die es mild mögen – perfekt für alle, die Charakter schätzen.
In der Küche entfaltet Buchweizenhonig seinen Wert besonders dort, wo ein neutraler Honig zu flach wäre:
- Zu Käse: Ein Klecks Buchweizenhonig auf kräftigem Blauschimmelkäse oder gereiftem Bergkäse ist eine Kombination, die für sich spricht.
- Im Salatdressing: Mit etwas Senf, Olivenöl und Apfelessig ergibt Buchweizenhonig ein kräftiges, rundes Dressing für Blattsalate mit Walnüssen oder Rucola.
- Für Lebkuchen und Honigkuchen: Das intensive Aroma trägt die Gewürzmischung viel besser als heller Honig. Traditionelle Rezepte wurden früher oft mit dunklem Honig gebacken – und Buchweizenhonig kommt dem Original am nächsten.
- Mit Joghurt oder Quark: Wer den Kontrast mag – cremig-mild trifft auf kräftig-dunkel – wird diese Kombination schätzen.
Warum unser Buchweizenhonig aus dem Harz selten bleibt
Buchweizen braucht freie Flächen, warme Sommer und Landwirte, die ihn bewusst anbauen. Im Harz gibt es all das – aber eben nur in begrenztem Umfang. Wir können unsere Völker nicht einfach auf Buckhweizen-Flächen stellen wie in manchen Regionen Polens oder der Ukraine. Was wir ernten, ist das, was die Bienen von den vereinzelten Feldern in unserer Umgebung eintragen. Das sind in guten Jahren vielleicht ein paar Dutzend Kilo. Sobald er vergriffen ist, ist er vergriffen.

