Varroa – was machst du eigentlich so?

Die Varroamilbe – ein ungebetener Gast aus Asien

Die Varroamilbe ist derzeit der wichtigste Schädling in der Imkerei. Ob man sie als klassischen Parasiten bezeichnen kann, ist tatsächlich umstritten. Parasiten stehen mehr oder weniger im biologischen Gleichgewicht mit ihrer Wirtspopulation – der große Kampf ist sozusagen schon ausgefochten. Bei der Varroamilbe scheint das hierzulande anders zu sein: Ohne Behandlung würde sie die Bienenvölker in unserem Klima sehr wahrscheinlich extrem dezimieren oder sogar auslöschen. Für uns Imker ist die Varroaregulierung deshalb keine Kür, sondern Pflicht.

Ursprünglich stammt die Varroamilbe – wissenschaftlich Varroa destructor – aus Asien, wo sie auf der asiatischen Honigbiene Apis cerana lebt. Diese hat sich über Jahrtausende mit dem Schmarotzer arrangiert. Als die europäische Honigbiene Apis mellifera in den 1970er Jahren in Kontakt mit Varroa kam, fehlte ihr jede evolutionäre Abwehr. Das Ergebnis kennen wir: Die Milbe verbreitete sich innerhalb weniger Jahrzehnte weltweit.

Lebenszyklus: Die Milbe denkt mit

Um zu verstehen, wie gefährlich die Varroamilbe Bienen gegenüber ist, lohnt ein Blick auf ihren Lebenszyklus. Die Milbe lebt zunächst als Phoretica-Stadium auf erwachsenen Bienen – unauffällig, kaum zu sehen. Kurz bevor eine Larve in ihrer Zelle verdeckelt wird, wandert die weibliche Milbe hinein, versteckt sich unter dem Larvenfutter und wartet. Sobald die Zelle verschlossen ist, beginnt die Reproduktion: Das Weibchen legt mehrere Eier, aus denen sich neue Milben entwickeln. Nach der Bebrütungszeit schlüpft zusammen mit der jungen Biene auch eine neue Generation Varroa. Besonders fatal: In der Drohnenbrut – die länger verdeckelt bleibt – können sich bis zu drei weibliche Nachkommen vollständig entwickeln. Die Drohnenbrut ist damit ein bevorzugtes Vermehrungsreservoir.

Was die Varroamilbe an Bienen anrichtet

Die Varroamilbe ist kein normaler Blutschmarotzer – auch wenn das schon schlimm genug wäre. Sie saugt die sogenannte Hämolymphe, die Körperflüssigkeit der Biene, und schwächt damit sowohl die Larven als auch die geschlüpften Adulttiere erheblich. Befallene Bienen sind kleiner, kurzlebiger und weniger leistungsfähig. Noch gravierender: Die Milbe überträgt beim Saugen Viren, allen voran das Deformed-Wing-Virus (DWV), das zu verkrüppelten Flügeln führt. Stark befallene Völker zeigen im Spätsommer krabbelnde Bienen mit missgestalteten Flügeln vor der Beute – ein trauriges Bild.

Wie wir die Varroapopulation beobachten

Es ist deshalb sehr wichtig, dass der Imker die Varroaregulierung in sein Management integriert. Wir verwenden dazu Schieber, die am Boden der Beuten eingelegt werden können. Nach 24 oder 48 Stunden werden sie wieder entfernt, und im sogenannten Gemüll – also dem, was auf der Einlage liegt – werden die gefallenen Varroamilben nachgezählt. Anhand des natürlichen Milbenfalls lässt sich der Befall im Volk einschätzen. Bei uns sieht es bisher noch sehr gut aus. Auf dem Schieber war keine Milbe zu finden. Stattdessen konnten wir den lila Phazeliapollen bewundern – ein Zeichen gesunder, aktiver Völker. Mit den Bodenschiebern selektieren wir auch Völker mit besonderen Resistenzeigenschaften gegeüber der Varrroamilbe. Fallen im Verlauf des Jahres wenig oder keine Milben ins Gemüll ist das ein sicheres Zeichen für multifaktorielle Varroaressistenz.

Behandlungsmethoden für Bio-Imkereien

Als Bio-Imkerei sind unsere Möglichkeiten zur Varroaregulierung klar definiert – und das ist auch gut so. Erlaubt sind ausschließlich natürliche Substanzen:

  • Oxalsäure: Wird vor allem im Winter angewendet, wenn keine verdeckelte Brut im Volk ist. Die Milben, die sich dann auf den Bienen befinden, reagieren sehr empfindlich auf Oxalsäure – entweder als Träufelbehandlung oder als Verdampfung. Hohe Wirksamkeit, geringe Rückstände im Volk.
  • Ameisensäure: Kommt im Sommer zum Einsatz und hat den Vorteil, auch in verdeckelter Brut zu wirken. Sie verdunstet über mehrere Tage und muss temperaturabhängig dosiert werden – zu warm, und die Bienen leiden mit; zu kalt, und die Wirkung lässt nach.
  • Biotechnische Maßnahmen: Drohnenbrut ausschneiden, Brutunterbrechung oder der Einsatz von Bannwaben gehören ebenfalls zum Repertoire. Sie reduzieren die Milbenpopulation mechanisch und ergänzen die chemischen Behandlungen sinnvoll.

Die regelmäßige Diagnose ist dabei lebensnotwendig – buchstäblich. Wer nicht weiß, wie stark sein Volk befallen ist, behandelt entweder zu früh, zu spät oder gar nicht. Und ein zu spät behandeltes Volk kann im Winter kollabieren, auch wenn es im Sommer noch gut aussah. Varroa-Management ist kein Einmalereignis, sondern ein Rhythmus, der sich durchs ganze Imkerjahr zieht.

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