So läuft das Honig abfüllen bei uns ab
Wer Bio-Honig kauft, fragt sich manchmal: Wie läuft das Honig abfüllen eigentlich ab? Der Weg vom 25-kg-Ernteeimer bis ins fertige Glas ist länger, als man denkt – und steckt voller kleiner Entscheidungen, die über Qualität oder Mittelmaß entscheiden.
Nach der Ernte wird der Honig bei uns im 25-kg-Eimer gelagert. In diesen Eimern wird er gerührt und abgeschäumt. Was ist Abschäumen? Im frischen Honig schwimmen feine Wachspartikel und eingeschlossene Luft. Nach der Ernte steigen sie auf und bilden einen Schaum auf der Oberfläche. Der Großteil davon wird abgenommen. Ein kleiner Teil verbleibt und wird später mit dem Honig vor dem Abfüllen vermischt – der Honig wird dadurch aromatisch voller. Nach dem Abschäumen und Rühren werden die meisten einheimischen Honigsorten fest. In dieser Form können sie im Eimer über lange Zeit gelagert werden.
Warum Temperaturkontrolle beim Auftauen so wichtig ist
Sobald unsere Honiggläser verkauft sind, füllen wir neue Gläser ab. Dazu ist die wichtigste Vorbereitung das Auftauen des Honigs – ihn also wieder fließfähig zu machen, damit er überhaupt abgefüllt werden kann.
Hier liegt eine der entscheidenden Qualitätsfragen beim Honig abfüllen. Honig enthält Enzyme wie Diastase und Invertase, die bei zu starker Hitze irreversibel zerstört werden. Bereits ab 40 °C beginnt der Enzymgehalt zu sinken, ab 50 °C ist der Schaden erheblich. Wir verwenden deshalb einen Wärmeschrank, in dem bis zu 24 Eimer Honig bei einer konstanten Temperatur von ca. 37 °C über 24-48 Stunden erwärmt werden – gerade so warm, dass der Honig eine zähflüssige Konsistenz bekommt, ohne dass die Enzyme Schaden nehmen. Das ist nicht nichts: 37 °C ist ungefähr die Temperatur im Bienenstock. Die Bienen haben diesen Wert aus gutem Grund gewählt.
Dann werden vier Eimer – also 100 kg – in ein Edelstahlfass umgefüllt und mit einem Handrührer vermengt. Damit ist der Honig fertig zum Abfüllen.
Von der Maschine ins Glas
Auf einem Hubtisch wird das 100-kg-Fass soweit angehoben, bis es auf einer Höhe mit der Abfüllmaschine ist. Fass und Maschine werden über einen Schlauch verbunden. Die Abfüllmaschine kann halbautomatisch definierte Gewichte abfüllen: Ich wähle z. B. 500 g aus, mache einige Kalibrierwiegungen – und dann geht es los. Sobald das Glas voll ist, lege ich einen Deckel auf und verschließe ihn mit einer Verschlussmaschine.
Warum nicht einfach von Hand zudrehen? Jede Charge umfasst über 1000 Gläser. Spätestens nach 300 Gläsern fängt es irgendwo in den Händen an zu schmerzen. Danach kommt das Glas auf eine halbautomatische Etikettiermaschine und wird beklebt. Ab in den Karton – und weiter geht es. Die Abfüllmaschine von Swienty ist dabei so robust, dass sie weit über 100.000 Gläser abfüllen kann.
Kristallisation: Natur, kein Fehler
Wer Honig kauft und ihn nach einigen Wochen fest vorfindet, macht sich manchmal Sorgen. Dabei ist Kristallisation ein völlig natürlicher Prozess – und eigentlich ein Zeichen von Qualität. Honig besteht hauptsächlich aus Glucose und Fructose. Glucose neigt zur Kristallisation; wie schnell das passiert, hängt vom Verhältnis der beiden Zucker ab. Raps- und Frühjahrsblütenhonig kristallisieren schnell und fein, Akazienhonig bleibt wegen seines hohen Fructoseanteils lange flüssig. Ein Honig, der nie fest wird, hat oft andere Gründe – zum Beispiel zu hohe Verarbeitungstemperaturen oder einen zu hohen Wassergehalt. Unser Honig darf und soll kristallisieren. Wer ihn wieder weicher möchte, stellt das Glas kurz ins Wasserbad bei maximal 40 °C.
Was auf dem Etikett stehen muss – und warum
Als zertifizierte Bio-Imkerei unterliegen wir klaren Kennzeichnungspflichten. Auf dem Etikett stehen Herkunftsland, Mindesthaltbarkeitsdatum, Nettofüllmenge und der Name des Imkers als Verantwortlicher. Dazu kommt das EU-Bio-Logo sowie das Kontrollstellenkürzel – bei uns nachweislich geprüft nach EU-Öko-Verordnung. “Bio” ist kein Marketingbegriff, sondern eine kontrollierte Angabe mit konkreten Anforderungen an Haltung, Fütterung und Behandlung.
Qualitätskontrolle: Das Refraktometer entscheidet
Bevor ein Eimer in die Abfüllung geht, messen wir den Wassergehalt mit einem Refraktometer. Das Gerät nutzt die Lichtbrechung des Honigs, um den Wassergehalt präzise zu bestimmen. Liegt er über 18 %, kommt der Eimer nicht in die Abfüllung. Das klingt streng – ist es auch. Honig mit zu hohem Wassergehalt kann beginnen zu gären und ist damit kein lagerfähiges Lebensmittel mehr. Diese Kontrolle ist kein bürokratischer Akt, sondern der letzte Filter, bevor der Honig zu Ihnen kommt.


